Pro Rennbahn

Bürgerinitiative für den Erhalt der Galopprennbahn Frankfurt Niederrad

1865 Ein Chronist berichtet...

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"Die Lage des Frankfurter Rennplatzes ist im Stadtwalde, etwa dreiviertel Wegstunden vor dem Tor, auf dem linken Mainufer zwischen dem Sandhof, dem Forsthause und Niederrad, welche drei Punkte die Bahn beinahe berührt. Alle drei genannten Orte sind Ausflugsziele, die fast das ganze Jahr hindurch  frequentiert werden, namentlich aber besuchen unsere Einwohner das Forsthaus und Niederrad, wo besonders an Sonntagen sich Tausende zusammenfinden. Sie entnehmen daraus, dass unsere Bevölkerung die Örtlichkeit mundrecht liegt. Der Rennplatz nun fällt in die Mitte eines Dreiecks, dessen zwei Seiten durch Wege gebildet werden, welche gabelförmig vom Sandhof nach dem Forsthaus und Niederrad führen, während es auf der dritten Seite von einer von Niederrad nach dem Forsthaus führenden Straße geschlossen wird. An Wegen von der Stadt nach dem, an Frankfurt nächstgelegenen Sandhof gibt es mehrere und gewähren sie für Fußgänger wie für Wagen die bequemsten Kommunikationsmittel. Die Straße von Niederrad nach dem Forsthause bildet die Anfahrt zur ersten Tribüne und ist ein 80 Fuß breiter Feldweg, auf beiden Seiten von uralten Buchen beschattet; derselbe soll auch zum Aufstellungsort für die Equipagen benutzt werden. Die Form der Rennbahn ist vollkommen eiförmig mit abgeflachten Seiten. Das obere Ende beschreibt einen Halbkreis von 800 Fuß Durchmesser, das untere einen solchen von 1400 Fuß. Die Länge der Bahn ist genau 1 1/8 engl. Meile. Von der letzten Biegung bis zum Ziel ist die gerade Linie 1500 Fuß oder ca. 1/4 engl. Meile lang. Vom Ziel bis zur nächsten Biegung sind noch 350 Fuß. Die erste Tribüne liegt also nahe an dem spitzen Ende der Eiform. Sie sieht nach Nord-Nordwesten und hat von Mittag an Schatten, sie ist ferner an den hochstämmigen Buchenwald angelehnt, der einen reizenden Hintergrund bildet. Die zweite Tribüne liegt etwas höher hinauf, an der Biegung der Bahn. Die Fläche des Rennplatzes stellt eine sehr flache Mulde dar und geht ein seichter Wassergraben der Länge nach durch die Mitte, der von der Bahn zweimal überschritten wird. Das Wasser fließt an diesen Stellen durch Röhren, die mit zwei Fuß Erde bedeckt sind. Der ganze Platz umfaßt ca. 110 Morgen, wovon 40 Morgen Wiesen und 70 Morgen Wald waren. Der Boden ist teils Sand, teils lehmiger Sand, teilweise sogenannte Blumenerde und wird hoffentlich dazu beitragen, der Strecke eine elastische Grasnarbe zu geben. Es kommen nur sehr unbedeutende Steigungen von einem Fuß auf hundert vor.Die Tribünen sind jede 200 Fuß lang, bei 30 Fuß Tiefe. Die Promenade vor den Tribünen ist 50 Fuß breit und steigt gegen dieselben etwa um 3 Fuß. Vor der ersten Tribüne läuft ein Parterre von 10 Fuß Breite hin, welches gegen das ansteigende Terrain noch 3 1/2 Fuß höher liegt und mit Stühlen besetzt werden soll. Hinter diesem Trottoir, abermals 3 1/2 Fuß höher liegend, beginnt das Amphitheater, welches aus sieben Reihen Sitze gebildet und durch ein Dach geschützt ist. Die Zugänge zu den Tribünen sind sowohl von den Seiten wie von hinten. Es läuft nämlich hinter den Tribünen ein balkonartiger Gang hin, von dem aus man auf die Tribünen gelangt. Die Idee der ganzen Anlage ist der Vincenner Tribüne angelehnt. Beide Tribünen sind etwa von 15 Morgen hochstämmigem Buchenwald umgeben, die als Promenade und Sattelplatz benutzt werden können. Unter der ersten Tribüne befinden sich eine Restauration, die Zimmer des Direktoriums, des Sekretariats, die Waage, Garderobenzimmer, Stallung für fünf Pferde und die Wohnung des Bahnwächters. Die ganze Rennbahn ist eingefriedet und eingefaßt von dem herrlichen Stadtwald. Nur an einer Stelle gewährt sie einen Durchblick auf Niederrad und das Gebirge. Ställe und Boxes werden hergerichtet auf dem Forsthause, in Niederrad, in der Louisa, im Riedhof und Sandhof, Orte, die sämtlich ganz in der Nähe der Bahn und des Waldes liegen, dessen weiche, breite Wege die beste Gelegenheit für die Morgenpromenade gewähren."